Eine kurze Beschreibung von "Schule als Welt"

Vorbereitung der Karte zu SaW 4 am KvFG

Im Vorfeld von SaW4: Arbeit an der SaW-Karte - dem Zentrum der Simulation

SaW4 Kurz vor Beginn der "Tagesschau" am Ende des Vormittags in der UNO

Was ist und wie funktioniert Schule als Welt (SaW)?

Schule als Welt (SaW) ist eine rundenbasierte Politik- und Ökonomiesimulation für die gesamte Schule und alle Klassenstufen. Sie wird von den Schüler/innen in Eigenverantwortung vorbereitetet und durchgeführt und von den älteren Jahrgängen (als Spielleitung) geleitet. Die Lehrer/innen übernehmen im Projektzeitraum (z.B. 3 Simulationstage) die Rolle als „pädagogische Feuerwehr“ und fachwissenschaftliche Beratung in der Form von "Kompetenzzentren".

Der Rahmen von SaW

Das Projekt SaW wurde zuerst im Schuljahr 05/06 am Karl-von-Frisch-Gymnasium in Dußlingen durchgeführt (SaW1), dann komplett überarbeitet sowie erweitert und im Schuljahr 08/09 in seiner neuen Form umgesetzt (SaW2). Nach einer intensiven Analyse von SaW2 hat das Projekt Ende des Schuljahres 11/12 als SaW3 und am Ende des Schuljahres 18/19 als SaW4 erneut am Karl-von-Frisch-Gymnasium stattgefunden.

Unsere Projektseite https://www.schulealswelt.de informiert seit 2005 die Öffentlichkeit und stellt auf Basis von Moodle Ressourcen für die Planungsgruppe zur Verfügung. Weitere Ressourcen für die innerschulische Öffentlichkeit sind jeweils im Intranet der Schule abgelegt.

Schulleitung und Gesamtlehrerkonferenz hatten der Durchführung jeweils zugestimmt und ihre Unterstützung zugesagt.

Strukturelle und inhaltliche Beschreibung von SaW

In SaW ist die Welt in Regionen eingeteilt. Die Klassen übernehmen Regionen dieser Welt mit jeweils eigener Regierung und eigener Innenpolitiksimulation.

Die Regioneneinteilung orientiert sich am kulturgeographischen Ansatz. Leitländer innerhalb jeder Region sorgen für mehr Übersichtlichkeit und erleichtern den unteren Jahrgangsstufen die Identifikation mit „ihrer Region“.

Jede Region / Klasse ist intern in mehrere Gruppen eingeteilt:

Die Regierung der Region vertritt deren Interessen in einem Simulationskern (im SaW-Modell: „UNO“), leitet die Geschäfte im Inneren und verantwortet deren politisches und ökonomisches Handeln. Das jeweilige politische System (Demokratie, autoritäres Regime, Diktatur, Einflussmöglichkeiten der Bürger/innen …) unterscheidet sich je nach realer Situation zu Spielbeginn.

Jede Region hat ihre eigenen Produktionseinheiten („Firmen“) für die Güterkategorien Rohstoffe, Industrie, Energie, Dienstleistungen und Agrar. Ein über den Simulationskern (im SaW-Modell: „WTO“) koordinierter Welthandel erlaubt den notwendigen Austausch von Gütern zwischen den Regionen. Die ökonomischen Ausgangsbedingungen der Regionen ("Startwerte") entsprechen hierbei weitgehend den realen Werten zu Spielbeginn.

Jede Einzelfirma in SaW produziert eine einzelne, ihr zu Beginn zugeordnete Güterkategorie – einerseits für die Binnenökonomie, andererseits für den notwendigen globalen Handel. Hierzu bearbeitet eine Firma sog. „Probleme“ - Arbeitsaufträge, um die sie sich a) bei anderen Marktteilnehmern oder b) der Regierung beworben haben. In einer Präsentationsphase wird die Problemlösung der Firma von der Spielleitung bewertet. Aus dieser Bewertung ergibt sich die Produktivität der Firma und damit, durch Verrechnung mit den Startwerten, der Bestand an Ressourcen für das nächste SaW-Jahr.

Die erwähnten Arbeitsaufträge sind einerseits von a) Schüler/innen der höheren Jahrgangsstufen und b) der Planungsgruppe im Vorfeld erstellt worden. Sie sind den didaktischen Prinzipien der Problemorientierung, Wissenschaftsorientierung und Schülerorientierung verpflichtet und auf Tauglichkeit sowie Angemessenheit (z.B. Alter) geprüft. Andererseits ergeben sich die Arbeitsaufträge (spätestens ab dem zweiten SaW-Jahr) aus der Simulation selbst: politische und ökonomische Probleme der jeweiligen Region und des „Planeten Schule“ werden über die (Welt)Presse zurück gespiegelt. SaW sorgt hierdurch dafür, dass die Konsequenzen des eigenen Handelns (oder Nicht-Handelns) erfahrbar werden: Eine z.B. wenig produktive Energiefirma in der Region Arabien beeinflusst durch die daraus folgende globale Verknappung von Erdöl die Produktionsbedingungen aller Firmen auf dem „Planeten Schule“ negativ. Für die Bearbeitung vieler Probleme stehen nun nicht mehr ausreichend Ressourcen zur Verfügung – die ökonomische Krise wird zur politischen.

Diese „Feedback-Schleife“ wird über die (Welt)Presse und NGOs im Simulationskern sowie deren Vertreter in den Regionen strukturiert und durch weitere Materialien, Informationen und Arbeitsaufträge gestützt. Problemlösungen aus Sicht einer Interessengruppe werden aus Sicht einer anderen erneut in den politischen Prozess eingebracht: Policy-cycles werden erfahrbar gemacht.

Jede Region ist politisch unabhängig und kann somit selbstbestimmt über ihre Politik entscheiden. Aus autoritären Regimen oder Diktaturen werden rechtsstaatliche Demokratien – und umgekehrt. Unzufriedenheit der Bürger/innen mit der Politik und / oder Ökonomie kann sich in diversen Partizipationsformen äußern – von der Bildung von Gewerkschaften und NGOs, über Streik und Demonstrationen bis zu Revolution und Krieg ist alles möglich.

Koordination

Die Koordination der komplexen politischen und ökonomischen Prozesse innerhalb von SaW erfolgt über mehrere Ebenen, Institutionen und Rollen:

Alle Schüler/innen einer Region sind das Regionenvolk und können – in Abhängigkeit von der politischen Ausgangssituation und Entwicklung mehr oder weniger stark – am politischen und ökonomischen Leben ihrer Region partizipieren.

Die Schüler/innen in den Regionen / Klassen sind weiter meist Arbeiter/innen in einer Firma. Als solche bearbeiten sie die Arbeitsaufträge (Probleme) und führen hierzu Recherchen sowie Gespräche mit Kompetenzzentren durch. Jeder Firma sitzt ein Chef vor, der den firmeninternen Arbeitsprozess (Problembearbeitung) und die Präsentation der Vorschläge zur Problemlösung leitet.

In der regionalen Regierung stellen die Rolleninhaber Regierungschef, Staatsminister, Wirtschaftsminister und Innenminister sicher, dass die Entwicklung der Region dem gesteckten politischen Programm entspricht. Sie vertreten ihre Region auf internationaler Ebene (im Simulationskern – UNO und WTO), schließen Verträge oder tragen (mehr oder minder friedlich) Konflikte aus. Sie halten Reden auf internationalen Arbeitstreffen, geben der Presse Interviews und informieren ihr Volk regelmäßig in Regierungserklärungen über ihre Absichten und Ziele. Weiter geben sie den politischen Rahmen für die Problembearbeitung vor und stehen hierzu im Kontakt mit den Chefs der Firmen oder anderen Rolleninhabern (z.B. NGOs, Presse).

Die Spielleitung in der Region (zwei Schüler/innen der Jahrgangsstufe 1 pro Klasse) hilft bei der Regierung bei der Umsetzung politischer Programme, stellt Informationsmaterial zur Verfügung und achtet darauf, dass regionale Entwicklungen weitgehend „realistisch“ bleiben. Weiter bewertet diese die Ergebnisse der Problembearbeitung in einer Evaluationsphase (Festsetzung der Produktivität der Firmen). Sie stellt sicher, dass der (bei rundenbasierten Spielen sehr wichtige) Zeitplan eingehalten wird, sich also die Inhaber der Rollen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort befinden. Lehrer/innen in den Regionen helfen der Spielleitung als „pädagogische Feuerwehr“.

Für die Koordination der Nationen und die Unterstützung der Spielleitung in den Regionen ist weiter eine sogenannte Wabenleitung vorhanden. Bei dieser handelt es sich überwiegend um Mitglieder der Planungsgruppe von SaW. Sie sind mit allen Details des Regelwerkes vertraut und strukturieren den Ablauf von SaW „vor Ort“.

Ein im Verlauf der letzten SaW-Runden entwickeltes, komplexes und trotzdem flexibles Regelwerk stellt sicher, dass das SaW-Modell den Bezug zur Realität und damit zu den real existierenden Problemlagen nicht verliert. Die Planungsgruppe wertet hierzu - zusammen mit der Waben- und Spielleitung - im Anschluss an jeden Spieltag die Ereignisse aus und bereitet den nächsten Spieltag vor.

Im Simulationskern werden NGOs und Weltpresse, die für die Feedback-Schleife eine entscheidende Rolle spielen, von Mitgliedern der Planungsgruppe geführt. Sie achten auf die Anbindung regionaler Entwicklungen an das aktuelle Geschehen in der realen Welt und im Simulationskern (UNO und WTO). Hierzu stehen diesen beiden Gruppen pro Region zwei Schüler/innen der oberen Jahrgangsstufen zur Verfügung, die selbst wiederum in engem Kontakt zu Waben- und Spielleitung stehen.

Jede Region hat in UNO (Kernsimulation Politik) und WTO (Kernsimulation Ökonomie) Sitz und Stimme.

WTO: Wirtschaftsminister aller Klassenstufen vertreten ihre Region im Welthandel: Die für die regionale Produktion (Problembearbeitung) notwendigen Ressourcen werden eingekauft, der erwirtschaftete Überschuss an Gütern verkauft.

UNO: Regierungschefs aller Klassenstufen vertreten in der UN-Vollversammlung ihr Land in regelmäßigen Reden und auf vielfältigen Arbeitstreffen: Für die Lösung regionaler Probleme kann internationale Unterstützung einfordert werden und internationale Probleme bedürfen der Koordination der verschiedenen regionalen Politiken. Ressourcen für die Bearbeitung internationaler Problemlagen müssen gestellt, Beschlüsse gefasst und Regeln auf Basis der bestehenden UN-Charta durchgesetzt oder weiter entwickelt werden.

Die Leitung des Simulationskerns wurde in allen am KvFG durchgeführten SaW-Runden von ehemaligen Schülern der Schule übernommen, die Mitglieder der Planungsgruppe für SaW waren.

Die Ziele und der Nutzen von SaW

SaW ermöglicht politisches und ökonomisches Lernen in Situationen, die durch komplexe und interdependente Probleme strukturiert sind, die sich an real existierende Problemlagen anlehnen oder sich aus diesen, wie auch der Spieldynamik selbst, ergeben. Der Lernschwerpunkt liegt darauf, die Konsequenzen des eigenen (Nicht)Handelns direkt erfahrbar zu machen (policy-cycle).

In der Auswertungsphase im Anschluss an den letzten Spieltag werden die Erfahrungen in den Klassen durch Vergleich mit der politisch-ökonomischen Realität reflektiert und systematisiert sowie Schlüsse für eine erneute Überarbeitung des Planspiels gezogen.

Die Einnahme einer Rolle (siehe oben) erlaubt einerseits die Erprobung verschiedener Handlungsalternativen, andererseits erleichtert die Distanzierung von dieser in der Auswertungsphase die Reflexion und Analyse des eigenen Tuns.

SaW ermöglicht so das (Kennen)Lernen politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Strukturen, Institutionen (regional und global), Prozesse und Problemlagen und bereitet unsere Schüler/innen auf eine aktive Bürgerrolle mit vor.

Last modified: Tuesday, 16 April 2019, 11:06 AM